Tupolew Tu-16

Verweise:  B-47 IL-46 MiG-MFI Su-47 T-60S Tu-4 Tu-16 von 1949 Tu-22 Tu-88 Tu-92 Tu-97 Tu-103 Tu-104 Valiant

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Geschichte:

Als Ablösung der Tupolew Tu-4 forderte die sowjetische Luftwaffe Ende der 1940er Jahre einen strahlgetriebenen mittleren strategischen Bomber, ähnlich der Boeing B-47 oder der Vickers Valiant. Daraufhin Entwickelte das OKB Iljuschin die IL-46 und das OKB Tupolew die Tu-88. Die sowjetische Luftwaffe entschied sich nach einem Vergleichsfliegen für die wesentlich modernere Tupolew Tu-88, die spätere Tu-16.

Im Sommer 1950 begann A.N. Tupolew mit der Entwicklung und bereits Ende 1951 wurde die erste Tu-88 (Flugzeug N) zur Erprobung ausgeliefert. Am 27.04.1952 erfolgte dann der Erstflug und bereits im Dezember 1952 der Beschluss für die Serienfertigung, die 1953 begann. Die Tu-88 erreichte 1955 als Tu-16 die sowjetischen Streitkräfte. Außer der Ausführung als Bomber und Raketenträger gibt es Versionen als Aufklärer und als Lufttanker. Direkt aus der Tu-16 wurde das Verkehrsflugzeug Tu-104 entwickelt. Die Tu-16 wurden nach Ägypten, Indonesien und in den Iran exportiert. Insgesamt wurden über 1.500 Tu-16 aller Versionen produziert. China fertigte über 120 Exemplare der Tu-16 unter der Bezeichnung H-6 in Lizenz.

 

(Die Bezeichnung Tu-16 wurde für eine Transporterversion der Tu-4 früher schon einmal verwendet)

Technische Daten:

Typ : 

sechssitziger mittlerer strategischer Bomber Tu-16A "Badger-A" (späte Serie)

Triebwerk : 

zwei Strahltriebwerke Mikulin AM-3M-500 (bei den Luftstreitkräften als RD-3M-500 bezeichnet) mit je 93,2 kN Schub

Leistung : 

Höchstgeschwindigkeit 1.050 km/h; Dienstgipfelhöhe 12.800 m; max. Reichweite 7.200 km

Gewicht : 

Leermasse 36.600 kg; max. Startmasse 75.800 kg

Abmessungen : 

Spannweite 32,99 m; Länge 34,80 m; Tragflügelfläche 164,65 m²

Bewaffnung : 

sieben Nudelman-Richter 23-mm-Kanonen NR-23 (eine in der Nase, je zwei auf und unter dem Rumpf und im Heck); Waffenzuladung von 9.000 kg in internen Bombenschacht und an zwei Aufhängepunkten; konventionelle Bomben der Kaliber FAB-500 bis FAB-9000 und Nuklearbomben

Versionen:

Tu-16 "Badger-A" : 

Bezeichnung der ersten Serienversion der Tu-88;

konventioneller mittlerer strategischer Bomber

Tu-16A "Badger-A" : 

Version der Tu-16 als Nuklearbomber mit spezieller Beschichtung gegen die Hitze einer Nuklearexplosion

Tu-16Z "Badger-A" : 

Version der Tu-16 als kombinierte Luftbetankungs- und Bomberversion; möglich war eine Schlauchbetankung von Flügel zu Flügel; bei Bedarf konnten die Zusatztanks entfernt werden und das Flugzeug als Bomber genutzt werden

Tu-16ZSCHTSCH "Badger-A" : 

Modifikation der Tu-16Z

Tu-16KS "Badger-B" : 

Marineversion der Tu-16 als Raketenträger für zwei Antischiffs-Raketen KS-1 Komet unter den Tragflächen; 1958 Einführung bei der Nord- und Pazifikflotte der Sowjetunion; auch als Tu-16KS-1 oder Tu-16K bezeichnet

Tu-16T "Badger-A" : 

Marineversion der Tu-16 als Torpedobomber und Minenleger; bis 1965 wurden fast alle Tu-16T in Tu-16S umgerüstet

Tu-16PL "Badger-A" : 

einige umgerüstete Tu-16T mit Wasserbomben und Sonarbojen für die U-Bootbekämpfung

Tu-16S "Badger-A" : 

Umgerüstete Tu-16T für den Such- und Rettungsdienst mit zusätzlicher Treibstoffkapazität und dem abwerfbaren Rettungsboot "Fregat" im Bombenschacht

Tu-16K-10 "Badger-C" : 

Modifikation der Marineversion Tu-16KS als Raketenträger für eine Antischiffs-Rakete Ch-10S unter dem Rumpf, zusätzliche Treibstofftanks im Bombenschacht und dem Raketenleitradar "EN" in einem breitem, flachem Kinnradom

Tu-16RM "Badger-D" : 

Umrüstung einiger Tu-16K-10 in den 1960er Jahren zur Seeaufklärung, elektronischer Aufklärung und Führung von Flugkörpern in der mittleren Marschflugphase;  größeres Kinnradom und neue Radarbeulen unterhalb des Bombenschachts

Tu-16R "Badger-E" : 

Aufklärungsversion der Tu-16 mit Kameras im Bombenschacht und passiver Radaraufklärung (ELINT); intern als Tu-92 bezeichnet

Tu-16K-16 "Badger-G" : 

Modifikation der Marineversion Tu-16KS mit dem Raketenkomplex K-16 der zwei Antischiffs-Raketen KSR-2 unter den Flügeln einschloss; auch als Tu-16KSR oder Tu-16KSR-2 bezeichnet

Tu-16K-11-16 "Badger-G mod." : 

Umgebaute Tu-16, Tu-16Z und Tu-16KS mit zwei Antischiffs-Raketen KSR-2 (Raketenkomplex K-16) oder KSR-11 (Raketenkomplex K-11)

Tu-16K-26 "Badger-C mod." : 

umgerüstete Version der Tu-16K-10 mit zwei Antischiffs-Raketen KSR-5 (Raketenkomplex K-26) und einer Antischiffs-Rakete KSR-2 oder KSR-11

Tu-16K-10-26 "Badger-C mod." : 

umgerüstete Version der Tu-16K-10 mit zwei Antischiffs-Raketen KSR-5 (Raketenkomplex K-26) und einer Antischiffs-Rakete Ch-10SNB mit Nuklearsprengkopf

Tu-16K-10-26B "Badger-C mod." : 

Modernisierte Version der Tu-16-10-26 mit der Möglichkeit der Mitführung von 12 Bomben (bis zu 9.000 kg mit dem Kaliber 100 bis 1.500 kg) unter den Tragflächen

Tu-16K-16-26 "Badger-G mod." : 

Modernisierte Version der Tu-16K-16 mit verbessertem Bordradar für den Waffeneinsatz; auch als Tu-16KSR-2-5 bezeichnet

Tu-16N "Badger-A" : 

Version der Tu-16 als Lufttanker mit flexiblen Schlauchkorb für die Betankung von Flugzeugen mit Tanksonde

Tu-16NN "Badger-A" : 

auf den Standard der Tu-16N umgebaute Tu-16Z

Tu-16P "Badger-F" : 

Version der Tu-16R mit zusätzlichen Behältern (ESM-Pods) unter den Flügeln für die elektronische Signalüberwachung unter den Flügeln

Tu-16E "Badger-F" : 

Version der Tu-16R mit zusätzlichen Behältern (ESM-Pods) unter den Flügeln für die elektronische Signalüberwachung unter den Flügeln

Tu-16KRM : 

umgebaute Tu-16 zur Beförderung von Raketen-Zieldrohnen unter den Tragflächen

M-16 : 

umgebaute Tu-16 als unbemanntes, ferngelenktes Zielobjekt; auch als Tu-16M bezeichnet

Tu-16PP "Badger-H" : 

Version der Tu-16 für elektronische Signalüberwachung und elektronische Störmaßnahmen mit Düppelwerfer für die Eskortierung von Bombern

Tu-16PP "Badger-J" : 

Version der Tu-16 für elektronische Störmaßnahmen zur Radarunterdrückung

Tu-16R "Badger-K" : 

Version der Tu-16R für die elektronische Aufklärung (ELINT) mit andersartiger Ausrüstung

Tu-16R "Badger-L" : 

Marineversion der Tu-16R für die Aufklärung (ELINT) mit  Selbstschutz-Störsendern in einem Heckkonus und einem aufgestülpten Radom im Zentrum des transparenten Nasenkonus

Tu-16LL : 

Version der Tu-16 als fliegendes Labor für die Erprobung von Triebwerken und aerodynamischen Untersuchungen

Tu-16 "Zyklon" : 

Version der Tu-16 als fliegendes Labor für die Wetterforschung; Behältern unter den Flügeln mit chemischen Stoffen zur Zerstreuung von Wolken

Tu-16G : 

ein andere Bezeichnung der Tu-104G

 

Chinesische Versionen :

H-6 : 

Bezeichnung der ersten in Lizenz gebauten Prototypen der Tu-16 in China; Erstflug am 27.09.1959

H-6 "Nuklearwaffenbomber" : 

Modifikation von einem der beiden ersten Prototypen der H-6 für das chinesische Nuklearwaffenprogramm; am 09.05.1966 (nach anderen Quellen am 14.05.1965) erfolgte der erste Abwurf einer Nuklearbombe und am 17.06.1967 der Abwurf der ersten chinesischen Wasserstoffbombe durch dieses Flugzeug

H-6A : 

Serienversion der H-6 als Bomber, auch mit Nuklearbomben; Erstflug am 24.12.1968

H-6D : 

Variante der H-6 als maritimer Aufklärer und Anti-Schiff-Waffesystem mit zwei Antischiffs-Raketen YJ-6 (später YJ-61) unter den Tragflächen; Erstflug am 29.08.1981

HD-6 : 

Version der H-6 für elektronische Gegenmaßnahmen und elektronischer Kriegsführung 

H-6U : 

umgebaute H-6 als Lufttanker

H-6DU : 

umgebaute H-6D als Lufttanker

H-6E : 

Version der H-6 mit verbessertem Navigationssystem (unter anderen Dopplerradar und GPS) und modifizierter Ausrüstung für  elektronische Störmaßnahmen und elektronischer Aufklärung

H-6I : 

eine umgerüstete H-6 mit vier Rolls-Royce Spey RB.168 Mk 202 Turbofans; zwei an Stelle der ursprünglichen Triebwerke in den Flügelwurzeln und eins unter jeder Tragfläche 

H-6 "Nr. 086" : 

Modifikation einer H-6 (Bordnummer "086") für die Erprobung von Stahltriebwerken

 
letzte Änderung :  24.07.2015